Erfahrung mit Ortho-K-Linsen bzw. Nachtlinsen 17. Mai 2015
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Bei meinem letzten Besuch bei meinem Optiker hatte ich vor, meine harten (formstabilen) Kontaktlinsen zu erneuern. Ich muss zugeben, ich bin mit dem Erneuern sehr schlampig, denn eigentlich hätten die schon seit gut 3 Jahren erneuert werden müssen. Grund genug in diesem Zusammenhang auch etwas Neues auszuprobieren, nämlich sog. Nachtlinsen, wie sie mein Optiker mir vorstellte.

Zunächst war ich verwundert, denn Nachtlinsen klingen paradox. Kontaktlinsen sollte man keinesfalls bei Nacht oder beim Schlafen tragen. Meine Verwunderung wurde größer, als er davon sprach, dass man diese Linsen bei Nacht trägt und unter Tags nicht, sprich Kontaktlinsen mit denen man gut sieht, ohne sie zu tragen?

Ortho-K-Linse

Ortho-K-Linse

Wie geht das?

Diese sogenannten Ortho-K-Linsen oder auch Nachtlinsen genannt sind eine Spur größer als übliche harte Linsen und besitzen eine Einfräsung, um damit eine Art Unterdruck auf der Hornhaut zu erzeugen. Durch diesen Unterdruck wird die Hornhaut (Zellstruktur) über Nacht verformt und dieser Effekt hält den Tag über an. Innerhalb von 1 Woche ist die Strukturanpassung der Hornhaut auch wieder komplett rückgängig machbar. Der Unterdruck auf der Hornhaut erfolgt berührungslos zwischen Hornhaut und Linse.

Soweit die Theorie. „Wie klappt das in der Praxis?“ hatte ich mich gefragt. Also habe mich dann dazu entschlossen auf Ortho-K-Linsen umzustellen. Mein Optiker in Klagenfurt hat mir auch erzählt, dass es diese Technologie schon recht lange gibt, aber in Österreich oder Deutschland noch weitgehend unbekannt ist und nicht bei jedem Optiker angeboten wird. Außerdem bedarf die Umstellung einiges an Betreuung und Kontrollen.

Die Erfolgsquote liegt bei meinem Optiker etwa bei 80%, es gibt also Ausnahmen wo die Ortho-K Linsen nicht 1000%ig klappen. Ausserdem gibt es Einschränkungen bei zu starker Hornhautverkrümmung. Diese Methode klappt nur bei Kurzsichtigkeit und bei Stärken bis zu 6 – 8 Dioptrien.

Kosten

Der Augenblick Optiker bietet die Nachtlinsen fast ausschließlich als Jahresabo Modell an, sprich das erste Jahr kosten diese 66 EUR/monatlich. Andere Optionen wie z.b. mit Pflegemittel oder die Linsenkosten von etwa 350 EUR einmalig und dann einen geringeren monatlichen Betrag sind ebenso möglich. Ab dem zweiten Jahr (Linsen werden jährlich getauscht was im Preis inbegriffen ist) sinkt der Preis auf 35 EUR/monatlich. Ich habe mich für das normale Package ohne Pflege entschieden. Die Kosten liegen zwar höher als bei üblichen harten Kontaktlinsen, aber sehen ohne Linsen oder Brille kostet eben mehr.

Eingewöhnung

Die Linsen wurden speziell auf meine beiden Augen abgestimmt, nach 2 Wochen waren sie abholbereit bei meinem Optiker.

Tag 0: Der erste Einsetzen der Linsen war etwas ungewohnt, da ich die Kanten der Linsen etwas spürte. Wenn das Auge geschlossen ist, sollte man aber nichts mehr spüren. Den Tag über verwendete ich dann ein paar weiche Linsen und am Abend setzte ich die Nachtlinsen ein. Dabei ist zu beachten, dass diese gut ausgespült werden sollten und dass sich Flüssigkeit in der Linsen beim Einsetzen befindet.

Tag 1: In der Nacht waren die Linsen noch etwas ungewohnt und störten ein wenig, dennoch kann man damit schlafen, da die Linsen sehr stark sauerstoffdurchlässig sind. In der Früh waren meine Augen dann etwas verklebt, nicht mehr oder weniger als normal. Nach einer gewissen Zeit am Morgen kann man dann die Linsen wieder entfernen. Das sollte leicht gehen ohne Gewalt so der Ratschlag. Und siehe da, ich konnte bereits ohne Linsen sehen, zwar nicht absolut scharf, aber gar nicht so übel für einmal Tragen. Nach der ersten Nacht mit den Linsen hatte ich meinen ersten Kontrolltermin, von meinen 3.75 Dioptrien waren bereits 1 Dioptrien am einen und 2 Dioptrien am anderen Auge weniger. Für die Restsehschwäche des Tages bekam ich dann schwächere weiche Linsen.

Tag 2: Das Schlafen klappte beim zweiten Mal schon viel besser, einmal bin ich nachts aufgewacht und habe überprüft, ob ich nicht die Linse verloren hätte. Alles da, kein Problem. Am Tag 2 verwendete ich dann wiederum noch weiche Linsen mit 1 und 1.25 Dioptrien.

Tag 3: Schlafen ging einwandfrei, weiche Linsen setzte ich keine mehr ein, nach dem Aufstehen konnte ich bereits sehr scharf sehen. Die Kontrolle beim Optiker verlief ebenso v.

Komfort

Nach etwas mehr als Woche habe ich mich an das Linsen bei Nacht tragen bereits gewöhnt. Was mir auffiel ist aber, dass bei zu wenig Schlaf (es sollten zwischen 6-9 Stunden) die Sehleistung am späten Abend schon merkbar weniger wird. Ebenso etwas ungewohnt war der Wechsel von hell (Draußen) auf drinnen (dunkel), diese Nachstellung der Sehschärfe brauchte mein Auge die letzten 20 Jahre nicht mehr erledigen. Daran gewöhne ich mich gerade.

Sehr praktisch ist dieses System natürlich beim Sporteln und dann im Sommer beim Schwimmen.

Zwischenfazit nach einer Woche

Ich muss ehrlich sagen, dass ich sehr überrascht bin, dass der Effekt nach einer Woche bereits so gut und nachhaltig wirkt. Jedenfalls war es am Anfang etwas komplizierter, da spät Nachts die Sehleistung doch schon um einiges weniger wurde. Nun bin ich aber voll auf zufrieden. Für mich war es auch eine mentale Umstellung, denn plötzlich scharf sehen zu können, nachdem ich im Alter von 9 Jahren meine erste Brille gegen Kurzsichtigkeit bekam war ein großes Aha Erlebnis für mich.

Auch die Betreuung und Kontrollen durch den Optiker finde ich sehr wichtig, so habe ich nach 1 Woche einen Kontrolltermin und dann nach 1 Monat, gefolgt von weiteren Terminen alle 3 Monate.

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