Sieben sozialen Sünden – Ratschläge und Überlegungen TEIL 1 17. November 2014
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Die Idee zu diesem Artikel stammt eigentlich aus der Zeitschrift Abenteuer Philosophie 1/2012. Der Artikel hat den Titel „Unglück macht Menschen – Wohlstand macht Ungeheuer“ Eine Untersuchung des Patienten „Menschheit“.

Gandhi_Denkmal_NYC rohavideo  / pixelio.de

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Im Artikel geht es darum, wie in der heutigen Zeit das Glücksempfinden zu sehen ist. Am besten haben mir die sieben sozialen Sünden von Mahatma Gandhi gefallen, der er im Jahr 1925 formulierte. Diese lauten:

  1. Wohlstand ohne Arbeit
  2. Politik ohne Prinzipien
  3. Geschäft ohne Moral
  4. Genuss ohne Bewusstsein
  5. Wissen ohne Charakter
  6. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  7. Religion ohne Opferbereitschaft

Betrachtet man diese sieben Punkt sehr oberflächlich, so wird man relativ rasch mit dem einen oder anderen Punkt eine Idee im Kopf kreieren, was damit gemeint sein könnte. Mir geht es aber nicht um so eine Oberflächlichkeit, sondern um entsprechende Tiefe und Einbringung meiner Gedanken dazu. Gandhi stellte die sieben sozialen Sünden einer modernen Gesellschaft auf, um die Probleme unserer heutigen Gesellschaft hinzuweisen und konkret auf Misere und Lösungswege hinzudeuten.

Da alle sieben aber den Rahmen eines Blog-Artikel sprengen würden, beschränke ich mich in Teil 1 auf die ersten drei, die weiteren vier fasse ich nächste Woche zusammen.

Wohlstand ohne Arbeit

Reich werden, ohne einen Finger zu rühren. Davon halte ich nichts; einerseits keinen Finger zu rühren ist für mich unvorstellbar und andererseits ist reich sein für mich nicht direkt mit monetärem Reichtum gleichzusetzen. Reich an Erfahrung und Erkenntnis, dem kann ich schon eher etwas abgewinnen. Jedoch sehe ich die Gefahr, dass dieses Reich-Gefühl auch in totaler Sättigung und kein Platz für Neues/Anderes/Gegenteiliges umschlagen könnte. Aber bei Gandhi geht es nicht unbedingt um den Reichtum an sich, sondern um das Wohlstandserhalt um jeden Preis, der sehr stark vom Bankwesen und Wirtschaftshandel (Börsen) getrieben wird. Sein Lösungsvorschlag lautet sich mehr und mehr von Bankenwesen, Spekulation (Aktien) und der Geldwirtschaft zu entfernen. Betrachtet man die aktuelle Situation der Banken, so ist das derzeitige Zinssystem wohl mehr als in Frage zu stellen und das Zinssystem ist vielleicht in 20 Jahren wirklich hinfällig, wenn es um Sparzinsen geht. Warum das Geld jmd. anderen geben, der mehr Geld daraus macht? Dieses aus einem Stück mehr daraus machen grenzt für mich schon an Wahnsinn, aber ein Sparbuch, Bankkonto etc. besitzt wohl jeder von uns. Gandhi sieht den Finanzhandel wie ein Spiel, bei dem die Mitspieler ständig frische Ressourcen (Geld) einbringen und die Akteure damit handeln. Naja, ob man wirklich mitspielen will, kann man ja selbst entscheiden, oder? Der Grundsatz bleibt aber, kein Spiel ohne Mitspielen.

Politik ohne Prinzipien

Was sind eigentlich Prinzipien eines Politikers? Ich sehe es so; es sollte derjenige zum Politiker erhoben werden, dass als gutes Beispiel voran geht und mit Weisheit umzugehen lernte (siehe Höhlengleichnis von Platon). Dieses Ideal stellt aber hohe Ansprüche und hat mit der Realität des 21. Jahrhunderts nichts zu tun. Politiker haben es aus meiner Sicht heutzutage sehr schwer, denn dass viele mit guten Absichten ihren Weg in die Politik starteten, davon gehe ich aus. Leider ist der Weg aber mehr als schwer und nahezu umdurchsetzbar, wirklich große Veränderungen im positiven Sinne und in der Gedankenwelt der Menschen hervorzurufen. Ich vermute, dass dadurch über die Jahre in der Politik viele Prinzipien über Board geworfen werden und Politik als Mittel zum Zweck dient und zum Teil des Wirtschaftssystem verkommt. Ich will damit nicht alle Politiker verteufeln, die wenigen mit denen ich jemals sprach, hatten im Kern oder Ansatz gute Ideen, die aber alleine nicht durchsetzbar oder umsetzbar erschienen. Sich darauf hinausreden, dass alle Politiker schlecht wären und die an all‘ meinen Problemen Schuld wären, ist eigentlich nur die Ignoranz seiner Eigenverantwortlichkeit für Gedanken und Handlungen. Wenn ich mit anderen Menschen in Familie/Freunde, Arbeit und Nachbarschaft mit Anstand und viel Respekt umgehe, so kann ich auch etwas bewirken, obwohl es so manche Politiker mehr schlecht als recht vorzeigen. Niemals sollte ich aber von schlechten Beispielen verleiten lassen, selbst meine eigenen Prinzipien zu unterwandern (z.B.: Steuerhinterziehung. Bestechung, etc).

Geschäft ohne Moral

Geschäfte machen um jeden Preis, Hauptsache neu und billig. Ich habe ehrlich gesagt aufgehört mitzuzählen, wie mir oft im Alltag dieses Prinzip unterkommt. Hinzu kommen aber auch Unternehmen, die schon gar keine Verantwortung für Umwelt, Nachhaltigkeit oder qualitative Produkte übernehmen wollen, Gewinne in kurzer Zeit gilt es ja zu machen. Wenn man dies betrachtet, so darf man sich nicht wundern, dass es nur mehr sehr sehr wenige Traditionsbetriebe (bestehen z.b. seit über 100 Jahre) gibt, die diesen Wahnsinn überlebt haben. Gandhi sieht hier die Machtposition des Konsumenten gestärkt, der mit der bewussten Auswahl an Produkten und Dienstleistungen jene Unternehmen zum Umdenken zwingt, die ihr unmoralisches Wesen betreiben. Dass das bereits stattfindet, zeigen im Lebensmittelbereich die BIO-Flut an Produkten. Schon mal überlegt wie es überhaupt möglich ist, diesen Massenansturm an Bio-Produkten zu decken, mit Sicherheit nicht so, wie es die sprechenden Schweindln im Fernsehen erklärt oder es einem der Hausverstand aus der Werbung unter die Nase reibt. Vertrauen spielt beim Konsumverhalten der Zukunft eine derartig wichtige Rolle, dass sich die Unternehmen der Zukunft um ihre einflussreichen und vertrauenschaffenden Kunden reißen werden. Auch der bewusste Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, dessen Herkunft und Erzeugung schon derartig fraglich ist, kann der erste Schritt sein, sich mit seinen Einkaufsverhalten zu beschäftigen. Als Konsument habe ich heute eine enorme Auswahlmöglichkeit. Natürlich kann ich meistens nur sehr schwierig eine tatsächliche Herkunft eines Produkts überprüfen oder mich mit der Herstellung auseinandersetzen. Aber aller Anfang ist schwer, warum nicht sein eigenes Konsumverhalten ab jetzt im Auge behalten und sich selbst fragen, warum ich eigentlich das und das kaufe?

Die weiteren vier sozialen Sünden einer modernen Gesellschaft beleuchte ich nächste Woche. In dieser Stelle ist einzuräumen, da ich für viele meiner Gedanken die Basis aus dem äußerst lesenswerten Artikel genommen hat, da ich darin meine Wahrheit für meine Wahrnehmung entdecken konnte.

 

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5 Kommentare
Albert Raus 18. November 2014

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Andrea Kall 19. November 2014

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Alexander Wozak 21. November 2014

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Veronika Ha 21. November 2014

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[…] ich vorige Woche über die ersten drei der insgesamt 7 sozialen Sünden einer modernen Gesellschaft berichtet habe, folgen dieses Mal die übrigen […]

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