Sieben sozialen Sünden – Ratschläge und Überlegungen TEIL 2 23. November 2014
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Nachdem ich vorige Woche über die ersten drei der insgesamt 7 sozialen Sünden einer modernen Gesellschaft berichtet habe, folgen dieses Mal die übrigen vier.

schlüssel_zum_herzen - Rainer Sturm  / pixelio.de

schlüssel_zum_herzen – Rainer Sturm / pixelio.de

Genuss ohne Bewusstsein

Das Wort Genuss ist uns allen bekannt und wir haben ihn gern; den Genuss. Doch wie getrübt ist unsere Wahrnehmung beim Genuss, können wir uns wirklich total genießen oder was steckt dahinter? Wenn ich die Wellness Bewegung beobachtete, die nun seit einigen Jahrzehnten zum quasi Standard in Freizeit und Urlaubsgestaltung zur kalten Jahreszeit geworden ist, ist es fraglich ob ich es schaffe Genuss mit Bewusstsein zu verbinden. Ich habe oftmal den Eindruck, dass der Genuss und das relaxen im Hintergrund steht. Vielleicht ist meine Wahrnehmung getrübt, aber selbst schaffe es auch nicht immer, mich komplett in der Situation fallen zu lassen, Wahrnehmung und Bewusstsein auf Ort und Zeit zu fixeren und dann den Genuss durch den Körper und vorallem durch den Geist walten zu lassen. Aber, muss ich denn unbedingt in einen „5-Sterne Wellness Schuppen“ fahren, um mit mir selbst zu arbeiten. Ist es denn notwendig, in Sauna, Dampfbad und Whirlpool zu meinen Inneren zu finden und mich damit zu beschäftigen. Oder kann ich das als Mensch eigentlich nicht auf jedem Ort der Welt und wenn ich geübt bin auch zu beliebiger Zeit? ich lasse diese Fragen konkret offen und Gedankenanstoß. Für mich finde ich das Erlebnis eines Wellnessausflug toll, aber es ist nicht mehr als Erlebnis und selten wirklich eine Erkenntnis. Das man sich selbst auf jedem Ort der Welt mit dabeihat klingt logisch, dennoch tut man sich mit Arbeit mit einem selbst, seinen Gedanken, seinen Werten und seinem Inneren bekanntlich schwer. Ich persönlich versuche aber hierfür Bewusstsein für mich zu schaffen.

Gandhi spricht als mögliche Lösung zur Problematik von Entschleunigung, Vereinfachung und bewussten Verzicht. Ich selbst kann es bezeugen, wie faszinierend Fernsehen nach 1 Monat Fernsehfrei wirkt oder wie süß nach 1 Monat bewussten Verzicht schmeckt.

Wissen ohne Charakter

Wissen ist Macht, den Spruch habe ich schon tausend Mal gehört, und es stimmt. Einfaches Beispiel: Für eine Problemlösung bedarf es einer speziellen Methodik, derjenige der sie im menschlichen Speicher (Gehirn) herumträgt kann schnell und aktiv zu Lösung beitragen.  Der Rest muss Bücher, Webseiten oder gar Schulungen besuchen, um der Lösung überhaupt nahe zu kommen. Damit ist der Wissensvorsprung zugleich Machtvorsprung, der heutzutage extrem unser Weltbild und unsere Wirtschaft bestimmt. Es beginnt schon bei der Ausbildung, die mit Kalkül gewählt wird (return on invest beim Studium). Ich glaube, man erkennt es relativ rasch ob eine Person nur allgemein und theoretisch Wissen besitzt und ob die Person das Wissen praxisnah erproben konnte bzw. ob die Person dem Wissen sog. Charakter verleihen konnte. Kurzum ist das heutige Bildungssystem mehr ein Ausbildungssystem, Charakterentwicklung und Humanismus bleiben dabei auf der Strecke, wobei man diese Aspekte jederzeit nachholen kann, sofern man dazu bereit ist.
Gandhi fasst recht treffend zusammen, indem man mit Wissen richtig umzugehen lernt und das Herz einen entscheidenen Faktor spielt. Das Herz am rechten Fleck würde ich dazu sagen, anstatt die Welt mit Theorien, Studien und Fachartikeln zu erklären.

Wissenschaft ohne Menschlichkeit

Wissenschaft ist heutzutage ein schwieriges Unterfangen, ich versuche die Wissenschaft zu beurteilen, obwohl zwar nie auf einer Uni oder Forschungszentrum gearbeitet habe. Dennoch stellt sich für mich die Frage, wenn die Wissenschaft jene Technologien marktreif machen würde, die die Menschheit wirklich braucht, hätten wir dann noch Umweltprobleme, Energiedefizite, Nahrungsmittelungleichheit auf der Welt? Womöglich schon, denn wenn sich die agierenden Menschen nicht mit verändern würden, bliebe alles beim Gleichen. Das Potenzial für gute Technologien und sinnvolle Errungenschaften ist dennoch da, bestimmt wird von Wirtschaft und Militär, was auf den Markt kommt und welche Innovation dem bestehenden System die Profite streitig machen könne. Das was die Wissenschaft nicht lösen kann oder wird, muss der Mensch lösen, so mein Leitspruch; Hirnkastl einschalten und dann kaufen/auswählen etc.  Im einfachsten Fall sein Verhalten und seine Gewohnheiten hinterfragen, wie nachhaltig sind diese, agiere ich fair damit, werden mich meine Kinder in 30 Jahren fragen, warum wir nichts unternommen haben? Natürlich gilt es nicht seinen gesamten Lebenswandel auf einen Schlag zu ändern, aber erste kleine Schritte führen ebenso zum Ziel.

Religion ohne Opferbereitschaft

Was bedeutet eigentlich Religion in unseren modernen und ultraschnellen Zeit? Gandhi spricht in diesem Zusammenhang von worship, worunter man eigentlich mehr als theoretische religiöse Handlungen verstehen kann. Es geht so einfach es klingen mag, dabei eigentlich um gute Taten, am besten gute Taten im Alltag, ganz nach dem Prinzip der Pfadfinder. Natürlich muss man nicht zum Pfadfinder werden, es reicht bereits sich mit seiner Religösität auseinanderzusetzen und sich zu fragen, was steckt eigentlich in den Religionen drinnen, was verbindet diese, was trennt sie? Welche Religion oder welche Religionen passen in mein Weltbild, oder finde gar keine Religion bzw. ist es mir zu mühsam sich dieser Frage zu stellen? Es gibt unendlich viele Antworten auf die zuvor genannten Fragen. Kurzum: Das gute im Leben zu kennen, eine Ahnung davon zu haben und mit guten Herzen im Alltag zu agieren und Opferbereitschaft für eine Sache und/oder für einen Menschen zu finden. Viele würden das als Authentizität bezeichnen und diese Menschen sind interessant.

Zu guter Letzt habe ich noch ein paar Links zusammengeschrieben mit Initiativen und Bewegungen, die ich  recht gut finde, bzw. die gute Ansätze beinhalten:

http://taalk.at/ (Gesellschaftspolitische online-Talks)

http://www.mehr-demokratie.at/ (Stärkung direkter Demokratie)

http://www.zeichnemit.at/ (Erfolgsstory gegen die Vorratsdatenspeicherung)

http://bioniere.org/ (Verein für lebensfördernde Ideen)

http://www.verwaltungsreform-jetzt.at (Initiative zur Verwaltungsreform)

http://www.aktion21.at/ (Bürgerinitiativenverband)

http://www.amtsgeheimnis.at/ (Initiale gegen das österreichische Amtsgeheimnis)

http://www.willwaehlen.at/ (Verbesserung der Demokratie)

http://ec.europa.eu/europe2020/reaching-the-goals/targets/index_de.htm (Ziele der europäischen Kommission zu Europa 2020)

http://meurer.at/2011/11/29/verschenkbazar-von-gib-und-nimm-graz-war-ein-voller-erfolg/ (gib und nimm Basar)

http://repaircafe-graz.at (Reparieren anstatt Wegwerfen)

Zum Schluss noch eine umfassende Liste an Initiativen und Organisationen.

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6 Kommentare
Dietmar Hafner 23. November 2014

Alexander Wozak Andrea Kall Albert Raus Veronika Ha – hier der zweite Teil falls ihr Interesse am Lesen habt 🙂

ScienceWatchout 23. November 2014

RT @waschbecken: Sieben sozialen Sünden – Ratschläge und Überlegungen TEIL 2: http://t.co/pgEvN1hkhc #Gesellschaft #Wissenschaft #Menschlic…

Andrea Kall 24. November 2014

Interessante Gedankengänge… und zum Thema Religion hab ich noch etwas für dich: https://www.youtube.com/watch?v=ZVc1ab2RcMs&spfreload=10

Andrea Kall 24. November 2014

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Veronika Ha 24. November 2014

Der ROI beim Studium gefällt mir. So hab ich das noch nie betrachtet 🙂

Veronika Ha 25. November 2014

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