Grazer Umweltzone – Zusammenfassung 20. Januar 2010
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Die Medien berichten bereits seit einiger Zeit über die geplante Grazer Umweltzone. Mitunter sind die Mitteilungen verwirrend und irreführend, sodass ich als Grazer versuche die Fakten zu sammeln. Ich stellte mir anfangs folgende Fragen, auf die ich bereits Antworten gefunden habe.

Was ist eigentlich eine Umweltzone?
Eine Umweltzone beschreibt ein Gebiet, welches stark von Feinstaub belastet wird und aus diesem Grund bestimmte Fahrverbote für Fahrzeuge verordnet werden. Der eigentliche Grund Umweltzonen zu erlassen, liegt aber in der EU-Richtlinie begründet. Diese besagt, dass höchstens 35 Tage im Jahr der Feinstaubgrenzwert von mehr als 50 Mikrogramm/Kubikmeter Luft überschritten werden darf.

Wo gibt es Umweltzonen in Europa bzw. Österreich?

Deutschland, Tschechien, Dänemark, Großbritannien (London), Italien, Norwegen, Niederlande und Schweden. In Österreich gibt eine eine solche UWZ (Umweltzone) in Tirol auf der A12 in Form von bestimmten Maßnahmen (Nachtfahrverbot für LKW über 3,5t, PKW Höchstgeschwindigkeit 100km/h etc.) Ähnlich ist die UWZ auch in der Steiermark auf der A2 und der A9. Die geplante UWZ für Graz scheint bereits auf mehreren internationalen Webseiten auf.

Welche Ziele sind für die Luftverbesserung durch die EU vorgegeben?

Mit Juni 2010 tritt die europäische Luftqualitätsrichtlinie (2008/50/EG) (pdf) in Kraft, die besagt, dass der Grenzwert für normalen Feinstaub (PM10) gleich bleibt, jedoch die verfeinerte Variante (PM2,5) wird auf 25 Mikrogramm/Kubikmeter Luft im Jahr reduziert. Dieser Grenzwert ist mit 01.01.2010 einzuhalten und unter strengen Auflagen ist die zwingende Einhaltung der PM10 Grenzwerte bis zum Jahr 2011 auszusetzen.  Deutschland beispielsweise hat 2 Jahre Zeit, diese Richtlinie in nationales Recht umzuwandeln. Eine solche Aussetzung wurde für Österreich bzw. Graz ausgenommen. Deshalb ist auch der Zugzwang der Politik mit unter zu verstehen.

Weitere allgemeine Informationen zu Umweltzonen:

Für Graz plant das Land Steiermark eine Umweltzone mit Mitte 2010, warum?

Ehrlich gesagt hatte ich mich noch nie mit Umweltzahlen im Bereich Luftqualität beschäftigt, doch der ein wenig Recherche beim Umweltbundesamt zeigt erschrenkende Messwerte. Ob die Zahlen wirklich so ausgekräftig sind, wie sie erscheinen kann ich nicht beurteilen. Dennoch steht Graz bei allen Emissionen und Immisionen immer an der vordersten Stelle.

Feinstaub PM10 Messwerte Jahresvergleich

Kart PM10 Überschreitungstage von 2008

Graz, Klagenfurt, Wien, Salzburg und Linz sind die Feinstaubstädte in Österreich!

Auch aktuelle Werte (letzten 4 Wochen) stellen Graz im Allgemeinen kein gutes Zeugnis aus, im Gegenteil laut Bericht des Umweltbundesamt von 2008, zählen die Messtationen in Graz (Don Bosco, Süd und Mitte) zu meist belastesten Regionen von ganz Österreich.

Feinstaubbelastung PM10 Graz Süd letzte 4 Wochen

Stickstoffmonoxid Belastung Graz Süd letzte 4 Wochen (200 Halbtagesgrenzwert)

Für Graz sind derzeit verschiedene Varianten von UMZ geplant. Ein Konsens zwischen diesen muss gefunden werden, doch die Polititk ist sich derzeit uneinig.

Umweltzonen Varianten Graz Quelle Kleine Zeitung

Fazit: Das Thema der geplanten Umweltzone ist derzeit sehr medienpräsent, welches zugleich sehr viel politisches Potential besitzt. Die Uneinigkeit zwischen Umweltlandesrat Wegscheider und der Grünen Stadtpolitik (kleine/große Umweltzone) geht zu Lasten der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger in Graz.

Fakt ist jedoch, dass Maßnahmen gesetzt werden müssen, sodass sich die Luftqualität in Graz verbessert und nicht verschlecht. So hat in den letzten Jahren zwar die Wetterlage die Feinstaubentwicklung positiv beeinflusst, die bereits ergriffenen Maßnahmen für Autofahrer (Feinstaub Hunderter, Partikelfilternachrüstung) zeigten meiner Meinung wenig bis gar keine Wirkung.
Das Thema Hausbrand (Fernwärmeeinleitung) und Industrie ist zwar ebenfalls am Tisch, doch gerade der Anteil der Industrie an der Luftverschmutzung in Graz lässt viel Spielraum für Spekulationen offen. Natürlich möchte man den Wirtschaftsstandort Graz nicht mit Umweltauflagen für Industrieunternehmen „unattraktiv“ gestalten. Die gesetzten Maßnahmen gegen Hausbrand von der Energie Graz sind aber auch dieses Jahr 2010 zu begrüßen.

Die Wirkung einer Umweltzone in Graz bleibt ein offener Punkt, der vielfach diskutiert werden kann, jedoch wird mit bestimmter Sicherheit, dieses Vorhaben umgesetzt. Die Unterteilung der Umweltplanketten in Plankatten GRÜN – GELB – ROT wird wohl ein mögliches Modell zur Unterscheidung der Fahrzeugabgasnormen. Für mich unerklärlich ist jedoch die Überprüfung der Einhaltung und die Verwaltung von UWZ Strafen.

Mit der Umweltzonen-Einführung wird sich das Luftgüteproblem in Graz mit Sicherheit nicht lösen lassen. Ein umfangreicheres Maßnahmenpaket wird von Nöten sein, damit sich überhaupt etwas verbessert.

Weiterführende Links:

Quellen:

http://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/REP0231.pdf (Jahresbericht 2008 zu Luftgütemessungen in Österreich)

http://www.umwelt.steiermark.at/cms/ziel/2060750/DE/ (Online Daten der Stadt Graz mit Messwerten)

http://www.umwelt-plakette.de/ (Umweltplanketten in DE  für UWZ)

http://www.kleine-zeitung.at (kleine Zeitung)

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2278794/steirische-gruene-hoher-feinstaubwerte-alarmiert.story

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5 Kommentare
Silke 30. September 2010

Auch wenn der Feinstaub für die Umwelt schädlich ist, finde ich, sollte man zuerst andere Alternativen wählen bevor man gleich ein Fahrverbot einführt. Nicht nur zu denken, wieviele Leute Ihre Autos verkaufen müssten, die dann somit automatisch an Wert verlieren, so ein Auto will ja keiner einem abkaufen wenn man damit nicht in die Stadt fahren darf.

Herbert 30. September 2010

Da kann ich Silke nur zustimmen.
Es wird viele Leute betreffen, die es sich nicht leisten können, die Autos dementsprechend aufrüsten zu lassen bzw. sich ein neues zu kaufen. Aber hoffen wir einmal das Beste.

dhafner 1. Oktober 2010

Danke für die Kommentare.
Die Kostenfrage bleibt natürlich immer auf Seiten des Konsumenten.
Eine Umweltzone wird in Graz höchstwahrscheinlich folgen müssen, anderenfalls wird die Stadt von der EU zur Kasse geboten, weil entsprechende Maßnahmen gegen den Feinstaub keinen Erfolg zeig(t)en. Ich gehe von einer Einführung Ende nächstes Jahres aus (nachdem das Abgas Pickerl kommt ).
Nachdem die Luftbelastung in Graz aber zu den überhaupt schlechtesten von ganz Österreich zählt, würden aber noch weitere radikale Maßnahmen notwendig sein:
1) Hausbrand verringern durch weitere Förderungen bei Heizungssystemumstellungen
2) Innenstadt Autofrei machen und die Öffi Tarife zugleich senken (ich weiß der Handel wird sich stark dagegen aussprechen)
3) Umweltzone mit Sondereinfahrgenehmigungen bzw. Förderung jener Betroffenen, die sich kein neues Auto leisten können. Hier müsste wohl das Land und wahrscheinlich Bund mithelfen.
3)

Stefan 21. Dezember 2010

@Silke In Österreich gibt es aber gar keine Feinstaubplaketten/Umweltzonen.

Andreas 21. September 2012

Sicher werden die Kosten auch irgendwann günstiger.

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