Das intelligente Auto – Wahnsinn oder Entwicklungsschritt? 12. Oktober 2014
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Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich mit Fahrzeug Elektronik. Im Zuge dessen stolpere ich über die intelligenten Innovationen der Fahrzeugindustrie und möchte dazu heute einen kurzen Beitrag liefern. Eigentlich geht es darum, diese Innovation kritisch zu hinterfragen und das Thema der Verantwortung im Straßenverkehr zu beleuchten.

(Bild von http://nvidianews.nvidia.com/News/Audi-and-NVIDIA-Expand-Visual-Computing-in-the-Car-a90.aspx

(Bild von http://nvidianews.nvidia.com )

Blickt man auf die Vielzahl an aktuell verfügbaren Assistenzsystem im Fahrzeugbereich, so stellt sich im ersten Moment Verwirrung ein. So gut wie jeder Fahrzeughersteller benennt seine angebotenen Assistenzsysteme nach seinem Belieben. Die Zeiten sind längst vorbei als ABS und ESP noch groß angepriesen worden sind. Doch kann man wirklich von Assistenzsystemen sprechen, oder wäre der Begriff Intellegenzsysteme nicht passender? Ein Beispiel: Sehr bekannt sind inzwischen die automatischen Einparksysteme (Parkassistenten). Im Prinzip nichts aussergewöhnliches, an den Außenteilen des Fahrzeugs sind Radar/Ultraschallsensoren verbaut, die entsprechende Abstände ausmessen. Wird dieser aktiviert, so misst das Fahrzeug zunächst eine Parklücke im Vorbeifahren aus, ob man reinpasst. Wenn ja, Knopf drücken; das Fahrzeug lenkt – Gas- und Bremspedal übernimmt aber der Fahrer. Von Intelligenz kann zwar nicht wirklich gesprochen werden, denn hinter Intelligenz steckt ein kompetentes Maß an Unterscheidungskraft und die Beurteilung/Abwägung von getätigten Entscheidungen. Die aktuelle Innovation der Fahrzeugindustrie sind jedoch Parkassistenzsysteme, die ohne Fahrer auskommen.

Ich kenne das Beispiel von Audi, bei dem man dem Fahrzeug mittels App anweist sich selbst eine passende Lücke zu suchen, bzw. wenn man wieder wegfahren möchte kommt das Fahrzeug auf Zuruf (ganz wie in Knight Rider Zeiten). Hier kann von wirklicher Intelligenz gesprochen werden. Das Fahrzeug fährt autonom und muss eine Vielzahl an Parametern abwägen und Entscheidungen treffen. Entscheidungen wie z.B. im Einkaufscenterparkhaus niemanden umzufahren, extra tolle bauliche Maßnahmen in den besagten Parkhäuser nicht zu rammen und zugleich zu entscheiden ist war kein Parkplatz frei. Natürlich ist diese Ausbaustufe meines Wissens noch nicht für den europäischen Markt zugelassen. Der Stresstest im Einkaufscenter am Samstag vormittag muss ein intelligentes System erst mal überstehen. Ein solches System wird aber eher als Komfortsystem bezeichnet, Assistenzsysteme stehen meiner Meinung enger mit Verkehrssicherheit in Verbindung. Hier ein paar Beispiele: Notbremsassistent, Toter-Winkel-Assistent, Automatisches-Hindernisausweichsystem, etc. Ein Notbremsassistent ist wirklich eine tolle Sache, denn dieser greift ein, wenn der Mensch erst erkennt, überlegt, beurteilt und reagiert. Diese Abfolge menschlichen Verhaltens kann manchmal bereits zu spät sein. Schneller sind da die Sensoren und CPUs des Fahrzeugs. Die automatischen Ausweichsysteme (z.b. Mercedes S-Klasse) sind ebenso ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch gab es aber bei Mercedes Probleme bei der ersten Testserie, die inzwischen  behoben sind. Ob diese Systeme in 5 Jahren gesetzlich bei Neuwagen verpflichtet werden ist derzeit fraglich. Natürlich arbeitet die Lobby der Automobilindustrie stark an der gesetzlichen Festlegung für Neuwagen, wirklich viele Neuerung gab es zuletzt aber nicht, da sich die Lobby vorallem für neue Abgasregelungen stark machte. Eine Neuerung mit November 2014 ist die Verpflichtung, dass erstzugelassene Fahrzeug ein Reifendruckkontrollsystem besitzen müssen.

Doch mit den Sicherheitssystemen und Komfortsystemen ist nach derzeitigen Stand noch lange nicht Schluss. In absehbarer Zukunft kommt der Aspekt der Anpassbarkeit im Fahrzeug in den Vordergrund. Wenn es um Anpassbarkeit geht, ist der Begriff Smart nicht weit. Ein Beispiel: Das neue Anzeigeinstrument im Audi TT verzichtet auf analoge Zeiger und ist daher als komplettes Display ausgeführt. Der nächste Schritt ist die komplette Anpassbarkeit der Anzeigen, was natürlich nur klappt wenn diese als digitale Displays aufgebaut sind (siehe dazu Steuerung des Tesla S). Neben Sitz/Spiegel-Position, Klimatemperatur, Fahrzeugabstimmung (Motor, Fahrwerk) kommen nun die angepassten Instrumentanzeigen und unterschiedliche Farben der Innenraumbeleuchtung hinzu. Der Begriff Smart-Car ließe sich direkt vom Smartphone auf das Auto übertragen.

Das intelligente Fahrzeug wird jedoch nicht nur für sich selbst intelligent sein, CAR-to-CAR communication wird den Straßenverkehr der Zukunft zu einer Cloud an Fahrzeugen vernetzen. Der entsprechende WIFI Standard ist bereits in Erarbeitung und sollte als Sicherheitsfeature (Anti-Kollission ähnlich wie bei Flugzeugen arbeiten).

Fazit: Wenn man diesen kleinen Einblick der aktuellen und der zukünftigen Fahrzeugintelligenz summiert, wird man vermuten, dass Autofahren in Zukunft mehr in Richtung „von A nach B kommen“ geht. Der Komfort dabei sollte so hoch wie möglich sein. Mit den intelligenten und schneller als der Mensch reagierenden Sicherheitssystemen ist die Verantwortung am Steuer bereits jetzt schon geteilt zwischen Auto und Fahrer. Ich sehe dabei die Sicherheitsassistenten nicht als Wahnsinn sondern als Ergänzung; mein Notbremsassistent war bereits schon ein paar Mal hilfreich. Dennoch muss das Bewusstsein bleiben, dass man der Fahrer nach wie vor die Oberhand im Fahrzeug behält und Systementscheidungen übergehen kann (sofern diese nicht zutreffend sind). Das intelligente und vernetzte Smart-Car der Zukunft wird nun ständig online sein, mit Vorder- und Hintermann in Verbindung stehen und dem Fahrer die einfache Dinge wie Autobahnfahren komplett abnehmen (autonomes Fahren ist in Calfornien bereits für Audi, Mercedes und Google (Lexus) zugelassen worden). Der Weg dieser Entwicklung bis zu uns nach Europa ist noch sehr lange, aber in 5 Jahren werden auch die ersten scheinbar fahrerlosen (ein Fahrer muss mitfahren für Notsituationen) Gefährte auf Deutschlands Straßen fahren. Mit diesen Komfortdenken, dass das Fahrzeug die Verantwortung trägt ethische Entscheidungen zu treffen (Fußgänger rammen und verreisen und in den Graben fahren wenn der möglich Bremsweg nicht mehr ausreicht) könnte jedoch ein Wahnsinn beginnen, der natürlich um Security Themen wie Bluetooth Hacking (Manipulation der Bremselektronik) ergänzt werden würde.

(Beitragsbild von http://nvidianews.nvidia.com/News/Audi-and-NVIDIA-Expand-Visual-Computing-in-the-Car-a90.aspx)

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Alexander Wozak 12. Oktober 2014

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[…] die warnen wenn man zu fest andrückt, Kühlschränke, die ihren Füllstand kennen und Autos, die selber fahren oder einparken. Was bleibt dann eigentlich noch, was nicht SMART ist? RICHTIG: […]

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