Vortragsreview – ein Held des Zeitgeists Edward Snowden 1. Februar 2015
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Diese Woche habe ich einen kleinen Vortrag zum Thema „Große und kleine Helden unserer Zeit“ beim Treffpunkt Philosophie in Graz gehalten. Das Vortragsformat lautete Pecha Kucha, sprich kurz und bündig mit sprechenden Bildern. Wie kam es eigentlich zu diesem Vortrag?

Im Gespräch mit den Leuten bei Treffpunkt Philosophie wurde ich gefragt, ob ich nicht einspringen könnte für jemanden der leider ausfällt. Thematisch wäre ich frei, so zumindest die Person, um die es gehen sollte, den Archetypen eines Helden widerspiegelt. Interessanterweise kam mir dann das Buch von Glenn Greenwald „Die globale Überwachung“ in den Sinn, welches ich 2 Wochen zuvor fertig gelesen hatte. Also warum nicht Edward Snowden vorstellen?, war meine Idee.

Bild via http://www.wired.com/2013/10/lavabit_unsealed/

Bild via http://www.wired.com/2013/10/lavabit_unsealed/

Diese Idee passte und ich bereitete den Vortrag auf, der dann gut ankam. Wer sich für meine Bilder im Vortrag interessiert, der kann diesen hier über Google Drive herunterladen + Pecha Kucha Text. Aber vielleicht noch ein paar Ergänzungen zu meinem Vortrag.

Was war meine Kernaussage im Vortrag?

Nachdem es um das Heldentum ging, war es mir wichtig die Beweggründe von Edward Snowdens Offenlegungen klar zu vermitteln. Diese wurde im zuvor genannten Buch gut dokumentiert, denn Edward Snowden war sich bewusst was passieren würde, wenn er dem NSA Skandal sein Gesicht geben würde. Es war ihm ebenso bewusst, dass er ein großes Risiko auf sich nahm, denn der Skandal kommt dem Hochverrat nahe. Eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten ist für Snowden ebenso undenkbar, da dann wahrscheinlich für immer von der Bildfläche verschwinden würde. Dennoch entschloss er sich, diese Risiken und die Konsequenzen auf sich zu nehmen und machte sein gut organisiertes Beweismaterial publik. Dieser Schritt war ausschlaggebend für mich, ihm den Archetypen eines Helden gleichzustellen, denn die schmerzhafte Wahrheit zu verkünden ist ebenso kein leichtes Unterfangen.

Jedenfalls war der bittere Beigeschmack meines Vortrags, dass die aktuelle Situation in Hinsicht auf Datensicherheit, Datenschutz und staatliche Überwachung nicht rosig aussieht. Wenn man bedenkt, dass die weltweite Geheimdienste/Technologieanbieter/Regierungen kooperieren (müssen), dann haben Interessenvertreter der Datenschützer eigentlich wenig Chancen dagegen etwas zu unternehmen.

Was möchte ich noch ergänzen

Aufgrund des engen Time-Frame im Pecha Kucha Vortrag, konnte nicht alles gesagt werden. Vorallem die aktuelle Situation in Europa hat mich beängstigt wenn es darum geht, dass zwar über neue Facebook AGB fest geschimpft oder lustige ich-bin-gegen-neue-AGB-Titelbilder geteilt werden, dass eigentliche Problem ist bis dato nicht in Angriff genommen, geschweige denn auf politischer Ebene als wichtig erachtet worden ist. In meiner Recherche bin ich auf den Punkt gestoßen, dass es eigentlich nur etwas Zeit bedarf, bis Medien und die öffentlichen Meinungen das Interesse am Skandal verlieren. Zwar wird hie und da die Meinung Snowdens zu aktuellen politischen Diskussionen miteinbezogen oder es wird Bezug auf vorliegende NSA Dokumente genommen, die er publik gemacht hat und die damalige Bewegung hat aus meiner Sicht Geschwindigkeit verloren. Im Groben und Ganzen erscheint die Zukunft weder rosig, noch hat sich irgendwas getan, dass die Leute ihren digitales Kommunikationsverhalten zu überdenken beginnen. Leider muss ich feststellen, dass ich selbst kein gutes Beispiel dafür bin, iPhone, GMAIL, Apple Computer Systeme etc. sind keine guten Startbedingungen dafür, über diesen Skandal eigentlich schimpfen zu dürfen. Aber warum verändere nicht mal ich selbst mein Verhalten grundlegend?

  • Es ist schlichtweg die Bequemlichkeit würde ich meinen. Zwar habe ich ein PGP Programm bei Apple Mail installiert, aber so gut wie niemand verwendet es sonst. OTR ist ebenso ein spannendes Dorf, wenn es doch das bunte Skype gibt.
  • Mein GMAIL/Dropbox ist ein offenes Tor sondergleichen für staatliche Interessen. Ein österreichischer Malianbieter alá A1 würde den Zugriff auf meine Daten vielleicht etwas erschweren oder schlussendlich ebenso ermöglichen.
  • Ein deutscher E-Mail Anbieter wäre ebenso nicht besser, wenn man bedenkt wieviel der BND abgreift.
  • Ein iPhone ist keine gute Idee, ein schlichtes Handy ohne Internet bietet weniger Angriffsfläche. Abgesehen von iMessage, FaceTime etc. das die gesamte Profilen sauber abrunden.

Wie leicht müsste mir das Thema Datensicherheit, Verschlüsselung und Datenschutz fallen, damit es dann main-stream wird?

Die Antwort darauf ist einfach. So klipp und klar und im Hintergrund, dass man davon nichts spürt als User. Leider wird das niemals passieren bei den weltweit größten Technologieanbietern, da dieser Schritt nicht mit dem amerikanischen Gesetzen in Einklang stehen würde. Bleibt nur der Blick auf Technologieunternehmen, die nicht ihren Sitz in US haben. Leider wird dieser Blick nicht sehr viele Alternativen aufzeigen, die man „so komfortabel“ und „gratis“ nutzen kann.

Wäre ich bereit für das Thema Verschlüsselung und Datenschutz etwas zu bezahlen?

Die Frage ist eigentlich absurd, wenn man für seine Grundrechte etwas bezahlen sollte. Genauer betrachtet, bleibt dieser Weg aber wahrscheinlich und ich wäre bereit etwas dafür zu geben und im Gegensatz Transparenz zu bekommen. Und mit geben meine ich nicht, meine Einkaufsverhalten, meine persönlichen E-Mails, sondern Geldleistung. Ich spiele seit einiger Zeit, dass Innenministerium in Österreich zu kontaktieren um zu fragen, ob ich denn überwacht werde, bzw. in welchem Ausmaß. Diese Ungewissheit, ob man denn bereits am „Radar“ ist, ist nicht angenehm. Mein Blog ist publik und ich schreibe ohne Pseudonym. In China, Afghanistan etc. keine gute Idee, wie man weiß.

Wird sich schlussendlich nie etwas ändern, gewinnt der Staat immer in Punkto Überwachung?

Wenn man bedenkt, wie lange es gebraucht hat die Vorratsdatenspeicherung in Österreich rechtlich zu kippen, dann lassen sich europaweite Verordnungen nur sehr schwer korrigieren, sofern diese gegen nationale Grundrechte verstoßen oder die Verfassungsprinzipien missachten. Dennoch bekommt die VDS Diskussion auf europäischer Ebene wieder Fahrt, im Dienste der Terrorbekämpfung, obwohl die letzten Anschläge in Europa nicht verhindern konnten aber angeblich einige vereitelt werden konnten. Es ist nun logisch, dass weniger Persönlichkeitsrechte, mehr Datensammeln, mehr Profiling zu weniger Terrorismus führen? Ich kann darauf keine Antwort geben, da ich kein Sicherheitsexperte bin, doch für meinen Hausverstand geht diese Gleichung nicht auf.

Parallel dazu ist das diskutierte Verschlüsselungsverbot ein gutes Beispiel dafür, dass die Regierungen sich für die Thematik interessieren und eigentlich nun contra-Verschlüsselung sind und nach den Offenlegungen von Snowden pro-Verschlüsselung waren. Wie jetzt? – einmal dafür und ein Monate später dagegen und umgekehrt.

Ich behaupte, der Staat bzw. dessen Regierungen und Geheimdienste werden in Zukunft immer einen Master-Key besitzen, zu welchen Zweck auch immer. Es sei denn, die Internet-User beginnen endlich sich Gedanken zu machen, welche Form an Internet Kommunikation sie in Zukunft gern haben möchte. Ich mache mir bereits sehr viele Gedanken darüber, aber mir kommt es vor, dass es nicht viele gibt, die die Situation ernst genug nehmen. Wahrscheinlich muss das Sprichwort, „wer nicht hören will, der muss fühlen“ auch im digitalen Umfeld Einzug halten und dabei spreche ich nicht von Terroranschlägen sondern von Identitätsklau, Hacking, Cyberkriminalität in einer anderen Dimension bis hin zu Untersuchungshaft aufgrund von digitalen Hinweisen einer strafbaren Handlung.

 

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